Die tierethischen Theorien von Peter Singer, Tom Regan und Albert Schweitzer

Peter Singers Tierethik berücksichtigt die Interessen aller Wesen

Der umstrittene australische Ethiker Peter Singer gilt als einer der wichtigsten Begründer der modernen Tierethik und der Tierrechtsbewegung. Das liegt vor allem an seinem 1975 erschienenen Werk Animal Liberation. Dieses Buch prägte die Diskussion über den moralischen Status von Tieren entscheidend und machte den Begriff Speziesismus populär.

 

 

Singers konsequentialistische Nutzethik ist eine zweckorientierte Ethik. Eine Handlung wird einzig danach beurteilt, welche Folgen sie hat – und zwar für alle, die von ihr betroffen sind. Der Präferenzutilitarismus (lat. utilitas; Nutzen, Vorteil) Singers soll die individuellen Interessen der Betroffenen fördern und nicht etwa nur das Gemeinwohl vergrößern.

Relevant ist für Singer, dass ein Wesen Präferenzen hat und nicht etwa, welche sonstigen Fähigkeiten es besitzt. Hat ein Lebewesen Interessen (z. B. Schmerzen zu vermeiden, wie es bei allen leidensfähigen Wesen der Fall ist), sind diese zu berücksichtigen und in die moralische Entscheidung für oder gegen eine Handlung mit einzubeziehen.

Für Singer ist nicht wichtig, um wessen Präferenzen es sich handelt, sondern nur der Umstand, dass ein Individuum diese hat. Tierliche Präferenzen sind im gleichen Maße zu berücksichtigen wie menschliche Interessen, denn die diskriminierende Ideologie Speziesismus ist abzulehnen. Denn ebenso wie Rassismus und Sexismus wertet er andere Lebewesen willkürlich aufgrund biologischer Eigenschaften ab. Die Spezieszugehörigkeit eines Wesens rechtfertigt jedoch nicht, seine Interessen zu ignorieren, es zu quälen und zu töten.

 

Tom Regan – von Menschenrechten zu Tierrechten

Auch der US-Amerikaner Tom Regan veröffentlichte 1983 mit The Case for Animal Rights einen Klassiker der Tierrechtsbewegung und ist mit Singer einer der bedeutendsten Tierethiker. In seinem Buch vertritt er eine abolitionistische (engl. abolition; Abschaffung, Aufhebung) Tierrechtsposition, die jegliche Nutzung empfindungsfähiger Lebewesen durch den Menschen ablehnt.

Seine Theorie der Tierrechte basiert einerseits – wie bei Singer – auf der Empfindungsfähigkeit von Lebewesen. Doch Regan lehnt andererseits die utilitaristische Ethik Singers ab. Denn diese ermöglicht unter bestimmten Umständen eben doch, dass einem Wesen durch eine Handlung Schaden zugefügt wird.

Regans Theorie verhindert das, indem sie jedem Individuum gleichermaßen einen inhärenten Wert zuspricht, der unabhängig von dessen Merkmalen und Fähigkeiten ist. Alle Individuen haben dasselbe Recht auf eine respektvolle Behandlung, die ihrem innewohnenden Wert entspricht.

Sein Rechte-Ansatz ist nicht auf menschliche Wesen begrenzt, da es hierfür keine schlüssige Begründung gibt. Denn jedes Lebewesen ist ein empfindendes Subjekt eines Lebens, „eine bewusste Kreatur mit einem individuellen Wohl, das für uns von Bedeutung ist“*. Das ist für ihn die entscheidende Gemeinsamkeit, die wir alle teilen. Und darum dürfen wir laut Regan auch Tieren nicht ihr Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit und Freiheit nehmen. Denn wir respektieren andere Lebewesen, indem wir ihre Rechte achten.

 

 

Albert Schweitzers biozentrische Lehre der Ehrfurcht vor dem Leben

Der bekannte Humanist und Universalgelehrte Albert Schweitzer begreift nichtmenschliche Lebewesen als unsere Mitgeschöpfe, die ebenso mit Lebenswillen ausgestattet sind wie wir Menschen. Er vertritt die Ansicht, das menschliche Leben selbst solle nur als ein Teil der gesamten Lebendigkeit dieser Welt betrachtet werden.

Als er seinen eigenen Willen zum Leben durch Selbsterfahrung erkennt, spürt er zugleich die Angst vor der Vernichtung dieses Willens. Diese Gedanken, die auf dem Gebot Jesu Liebe deinen nächsten wie dich selbst beruhen, weitete er auch auf andere Leben aus. Eins seiner bekanntesten Zitate stellt zugleich die Basis seiner Ethik dar. Es lautet: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“*

Schweitzers Maxime Ehrfurcht vor dem Leben beantwortet die Frage nach dem ethisch richtigen Umgang mit Tieren. Denn sie verdeutlicht, dass das gesamte Leben und alles Lebendige in moralische Entscheidungen mit einzubeziehen ist. Gott als Schöpfer von allem Lebendigen wird als das Leben selbst verstanden. Er will das Leben, welches er selbst geschaffen hat, denn alles andere wäre ein Widerspruch in sich.

Nach Schweitzers Pflichtethik gilt es als gut, Leben zu erhalten und zu fördern und als schlecht, Leben zu hemmen und zu zerstören. Wir sollen vermeiden, unnötiges Leid zu erzeugen und einen achtsamen und respektvollen Umgang mit all unseren Mitlebewesen pflegen, deren Wert wir erkannt haben.

 

Tierethik versus Empathie

Wie du siehst, gibt es in der Tierethik ganz unterschiedliche Ansätze. Zwei weitere Theorien stellen wir dir in unserem Blogartikel zu Hans Jonas und Arthur Schopenhauer vor. Wenn du mehr über dieses Thema erfahren willst, kannst du in dieser Masterarbeit über ethischen Veganismus die Theorien genau nachlesen.
Doch natürlich braucht es keine tierethischen Theorien, um zu erkennen, dass wir anderen kein unnötiges Leid zufügen sollten. Mitgefühl mit allen Lebewesen zu haben reicht aus, um dies zu erkennen. Wer wirklich ein empathischer Mensch ist, wird zwangsläufig vegan leben.
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*Zitate-Quellen:
Regan, Tom: „Wie man Rechte für Tiere begründet.“ In: Naturethik. Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion. Hrsg. v. Angelika Krebs. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1997, S. 42.
Balsiger, Max U.: Albert Schweitzers Ethik des Lebendigen: „Leben inmitten von Leben“. Zürich: Theologischer Verlag, 2007, S. 21.

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