Die tierethischen Theorien von Arthur Schopenhauer und Hans Jonas

Die Mitleidsethik von Arthur Schopenhauer untersagt den Konsum von Tierqualprodukten

Die Moralphilosophie Arthur Schopenhauers basiert auf dem Affekt Mitleid. Im heutigen Sprachgebrauch kann der schopenhauersche Begriff Mitleid als Empathie verstanden werden. Als die Fähigkeit und Bereitschaft also, sich in andere einzufühlen und z. B. ihre Emotionen und Motive zu erkennen und mit ihnen mitempfinden zu können.

 

 

Moralisch handeln wir nach Schopenhauer nur dann, wenn unsere Handlungen altruistisch sind. Das Mitleid ist für ihn der einzige Grund, uneigennützig zu handeln. Doch dafür ist nicht zwingend notwendig, dass wir wirklich Mitleid verspüren. Vielmehr ist es für Schopenhauer die Basis des Grundsatzes, niemandem Leid zuzufügen.

Eine Handlung, die moralischen Wert besitzt, ist für Schopenhauer durch das Wohl und Wehe eines anderen Lebewesens motiviert. Dessen Wohl muss mein Handlungsmotiv sein – und zwar genauso unmittelbar, wie mein eigenes Wohl bei nicht-moralischen Handlungen der Grund für mein Tun ist.
Sein moralischer Grundsatz lautet dementsprechend: Neminem laede; imo omnes, quantum potes, juva. Das bedeutet übersetzt: Verletze niemanden; vielmehr hilf allen, soweit du kannst. Nach Schopenhauers Mitleidsethik sind wir genau dazu verpflichtet.

Da die Ethik Schopenhauers auch nichtmenschliche Lebewesen ausdrücklich in die Moral miteinbezieht, ist auch ihr Wohlergehen zu berücksichtigen. Auch sie sind moralische Objekte. Zudem sieht er keinen absoluten und radikalen Unterschied zwischen Tieren und Menschen.
Tiere sollen nicht wie Dinge behandelt werden, da sie nicht zum Nutzen des Menschen existieren. „Mitleid mit Tieren hängt mit der Güte des Charakters so genau zusammen, dass man zuversichtlich behaupten darf, wer gegen Tiere grausam ist, könne kein guter Mensch sein.“*, so Schopenhauer.

Für ihn sind allerdings nur die leidenden Individuen als solche moralisch relevant. Darum spricht er sich seinerzeit sogar gegen den Vegetarismus aus. Doch damals wusste man noch nicht, dass Menschen problemlos auf Fleisch und andere Tierprodukte verzichten können. Seine Mitleidsethik verbietet den Konsum leidvoll erzeugter Waren von Tieren – denn heutzutage ist die Produktion und die Tötung mit dem Leid nichtmenschlicher Tiere untrennbar verbunden.

 

 

Hans Jonas‘ Prinzip der Verantwortung und die Würde der Kreatur

Die Verantwortungsethik von Hans Jonas ist eng verbunden mit dem Begriff der technologischen Zivilisation, da die Technik fast alle Bereiche des Lebens beeinflusst. Durch das technische Eingreifen des Menschen wird die Natur verletzlich. Denn die moderne Technik ist ausgerichtet auf die Zukunft, auf immer neuen Fortschritt. Dies führt jedoch häufig zu vielen problematischen Folgen wie z. B. dem Verbrauch der Naturressourcen und natürlich zu extremem Tierleid.

Da die Natur durch den technischen Fortschritt stark gefährdet ist, erwägt Jonas, ob der Natur selbst ein sittliches Eigenrecht zukommt. Er geht davon aus, dass die Natur Werte besitzt. Diese leitet er aus ihren Zwecken ab. Da die Hervorbringung des Lebens und das Leben selbst der Zweck aller Zwecke der Natur darstellt, existiert die Natur zur Erfüllung dieses Zwecks. Und wenn die Natur Zwecke hat, dann besitzt sie auch Werte. Nach Jonas sind die Menschen dazu verpflichtet, dem zuzustimmen, denn es ist unmöglich, die Zwecke der Natur zu verneinen.

Das moralisch Gute definiert Jonas als „dasjenige, dessen Möglichkeit die Forderung nach seiner Wirklichkeit enthält und damit zu einem Sollen wird.“* Das Sollen leitet sich aus dem Guten an sich her. Damit das Gute realisiert werden kann, muss der Wille gegeben sein, der Forderung des Guten nach seiner Wirklichkeit zu entsprechen. Umgesetzt wird es durch das Handeln. Das erreichbare, mögliche Gute appelliert an die Menschen. Sie besitzen ein Gefühl der Verantwortlichkeit. Jonas definiert Verantwortung als „die als Pflicht anerkannte Sorge um ein anderes Sein.“*

Auch Tiere besitzen einen Eigenwert, denn auch sie streben Zwecke an. Einen Wert haben Kreaturen dann, wenn sie um ihrer selbst Willen zu respektieren sind; sie dürfen dann nicht mehr als bloßes Mittel angesehen werden. Nichtmenschliche Lebewesen haben somit eine Würde. Ihr Wohlbefinden ist darum moralisch zu berücksichtigen, was jedoch in der Tierprodukte-Industrie generell missachtet wird. Doch Tieren darf weder unnötiges Leid zugefügt werden, noch darf man sie töten. Und das lässt sich nur durch die vegane Lebensweise realisieren.

 

Gelebtes Mitgefühl führt zum Veganismus

Wie du in diesem und dem Blogartikel zu den Theorien von Singer, Regan und Schweitzer gesehen hast, gibt es verschiedene tierethische Ansätze. Wenn du Genaueres über diese Theorien erfahren willst, kannst du sie in der Masterarbeit über ethischen Veganismus nachlesen.
Doch wer ein wahrhaftig mitfühlender Mensch ist, wird sowieso keinem Lebewesen unnötiges Leid zufügen wollen. Und dazu benötigen wir keine tierethischen Theorien, so interessant diese auch sein mögen. Wer Tiere nicht abwertet, weil sie keine menschlichen Wesen sind, wird früher oder später vegan leben.
Auch für die Herstellung von konventionellen Futtermitteln leiden Tiere. Darum ist es sinnvoll, auch Hunde und Katzen vegan zu ernähren. Informationen dazu findest du u. a. im Blogartikel zu veganer Hundeernährung.

 

*Zitate-Quellen:
Schopenhauer, Arthur: Preisschrift über die Grundlage der Moral. Mit e. Einl., Bibliogr. u. Reg. Hrsg. v. Hans Ebeling. Hamburg: Meiner, 1979, S. 139.
Jonas, Hans: Technik, Medizin und Ethik. Zur Praxis des Prinzips Verantwortung. Frankfurt a. M.: Insel Verlag, 1985, S. 153.
Jonas, Hans: Technik, Medizin und Ethik. Zur Praxis des Prinzips Verantwortung. Frankfurt a. M.: Insel Verlag, 1985, S. 391.

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